WIE SICH DAS ROLLEN AUF DIE VENEN AUSWIRKT

Schleip 3

Dr. hum. biol. Robert Schleip

"Natürlich sind weitere wissenschaftliche Untersuchungen nötig, doch die Studie gibt zumindest einen ersten Hinweis darauf, dass das Rollen mit der BLACKROLL® auch für die Blutgefäße tendenziell gesundheitsfördernd ist."

Die positive Wirkung der myofaszialen Selbstbehandlung mittels Hartschaumrolle (englisch ‚foam roll’) auf die Beweglichkeit wurde bereits durch einige renommierte wissenschaftliche Studien[1][2][3] belegt. Doch die Frage, wie sich das Rollen auf die Blutgefäße auswirkt, ist weit weniger gut untersucht. Insbesondere der Effekt auf die Venen-Gesundheit gilt aktuell als interessant; zumal bekannt ist, dass bei Personen mit ausgeprägter Venenschwäche selbst Alltagsbelastungen im Extremfall zu gesundheitlichen Störungen führen können. Andererseits haben sich hier unterschiedliche therapeutische Druckanwendungen in den letzten Jahren als sehr positiv erwiesen.

Grundsätzlich gilt bei fast allen gesunden körperlichen Aktivitäten, dass die Dosis der Anwendung wesentlich über deren Wohl und Wehe bestimmt. Egal ob Schwimmen, Gehen, Wassertrinken oder Atmen: es ist immer möglich, diese so hoch zu dosieren, dass damit gesundheitsschädigende Wirkungen eintreten. Ausschlaggebend ist daher das jeweilige Risiko einer Überdosierung bzw. Verletzung. Beim Nordic Walking gilt dieses mit 0,9 Verletzungen pro 1000 Anwendungs-Stunden als gering, während es beim Rugby (mit 38 Verletzungen/1000 Std.) als erheblich bewertet wird. In Bezug auf myofasziale Selbsbehandlungen mit der BLACKROLL® äußerte sich Dr. Robert Schleip, Leiter der Fascia Research Group an der Universität Ulm, folgendermaßen „Angesichts der großen Verbreitung im Fitness-Bereich ist es für mich auffallend überraschend, wie wenig detaillierte Berichte es bisher über negative Einzelfall-Auswirkungen gibt. Wir vermuten daher, dass die Gefährdung deutlich niedriger als bei Flugreisen oder längeren Busreisen ist – sicher nicht höher.” Er verweist auf einen Bericht der Weltgesundheitsorganisation, nach dem bei Flügen von mehr als 4 Stunden das Risiko bei gesunden Personen bei 1 zu 6000[4] liegt. Während Personen mit bekannten Venenschwächen allgemein empfohlen wird vor Buchung einer Flugreise einen fachärztlichen Rat einzuholen, wird ein solches Prozedere bei normalgesunden Personen nicht praktiziert, zumal das genannte Verletzungsrisiko als relativ gering eingestuft wird.

[1] Cheatham et al. (2015) The effect of self-myofascial release using a foam roll or roller massager on joint range of motion, muscle recovery, and performance: A systematic review. Int J Sports Phys Ther 10(6): 827-38. 

[2] Beardsley, Skarabot (2015) Effects of self-myofascial release: A systematic review , J Bodyw Movem Ther 19(4): 747-58.

[3] Schroeder et al. (2015) Is Self Myofascial Release an Effective Preexercise and Recovery Strategy? A Literature Review. Curr Sports Med Reports 14(3): 200-208.

[4] WHO Research into Global Hazards of Travel (WRIGHT) project http://www.who.int/cardiovascular_diseases/publications/WRIGHT_INFORMATION/en/ -accessed Feb. 1, 2017

Um dennoch sicher zu gehen, empfiehlt Dr. Schleip im Einklang mit anderen Experten ein ähnliches Verhalten für BLACKROLL®-Anwendung wie für das Fliegen oder längere Busfahrten. Wenn keine Anzeichen einer geschwächten Venenfunktion vorliegen, bedarf es auch keiner spezifischen Vorsichtsmaßnahmen. Hingegen sollte nur in Abstimmungmit einem Arzt gerollt werden, wenn eine Venenschwäche vorliegt sowie bei Thrombosen, Krampfadern, Durchblutungsstörungen oder bei der Einnahme von Blutverdünnern.

Auch sonst sollte sicherheitshalber nicht über die erste Schmerzgrenze, das sogenannte Wohlweh-Gefühl, hinweg gerollt werden. Zur Frage, wie häufig eine weitaus intensivere Anwendung zu nachhaltigen Störungen führen könnte, läuft derzeit so etwas wie ein groß angelegter Feldversuch in der amerikanischen Kosmetik-Szene. Dort traktieren derzeit tausende schönheitsmotivierter Frauen absichtlich ihr Unterhautbindegewebe mit diversen Werkzeugen bis deutliche Blutergüsse und andere Gefäßverletzungen erscheinen, um damit langfristig eine Gewebestraffung zu erzielen. Die Fotos der Gefäßverletzungen und anschließenden Gewebeveränderungen werden dann massenweise stolz in den sozialen Medien präsentiert[1]. Wie auch immer diese umfangreiche Feldstudie ausgehen wird, es scheint klar zu sein, dass eine nur bis zum Wohlweh-Gefühl gehende Rollbewegung mit der BLACKROLL® hiermit nur wenige Gemeinsamkeiten haben sollte.

Doch wie sieht es mit den positiven Effekten aus? Tatsächlich gibt es wissenschaftliche Untersuchungen, die darauf hinweisen, dass sich das Rollen tendenziell positiv auf die Gesundheit der Blutgefäße auswirkt. So zeigte eine Studie aus dem Jahr 2014 im Journal of Strength and Conditioning Research[2], dass die Konzentration von Stickstoffmonoxid im Blutplasma der Probanden nach dem Rollen erhöht war. Stickstoffmonoxid entspannt die Blutgefäße und macht die Gefäßwände elastisch. Es verhindert zudem das Verklumpen von Blutplättchen; so hat die Substanz einen positiven Effekt auf die Fließfähigkeit des Blutes. Die gefäßerweiternde Wirkung des Stickstoffmonoxids machen sich eine Reihe von Medikamenten zunutze, darunter auch Viagra. Die Wissenschaftler zogen in ihrer Studie den Schluss, dass die Selbstmassage mit der Rolle die Steifheit der Arterien reduziert und die endotheliale Gefäßfunktion verbessert.

Natürlich sind weitere wissenschaftliche Untersuchungen nötig, doch die Studie gibt zumindest einen ersten Hinweis darauf, dass das Rollen mit der BLACKROLL® auch für die Blutgefäße tendenziell gesundheitsfördernd ist.

[1] Siehe z.B. unter ‚fascia blaster’ bei Youtube, Facebook, etc.

[2] Okamoto T, Masuhara M, Ikuta k. 2014. Acute effects of self-myofascial release using a foam roller on arterial function. J. Strength Cond. Re. 28, 1: 69-73

FRAGEN & AUSTAUSCH

comments powered by Disqus